Melwin Melone und die Migräne

An einem Freitag im Jänner durfte Melwin Melone bei seinem Freund Leo Lauch übernachten. Nach dem gemeinsamen Fußballtraining in der Sporthalle machten sich die beiden auf den Weg zu Leo. Sein Zuhause war nicht weit entfernt, daher konnten sie ohne weiteres zu Fuß gehen. Gut gelaunt marschierten sie los.

„Du, Leo? Was gibt es denn heute bei euch zu essen?“, wollte Melwin wissen. Er war schon sehr hungrig. „Ich habe meine Mutter gebeten, dass sie uns Spaghetti Carbonara kocht. Das ist mein Lieblingsessen. Du magst Spaghetti doch auch sehr gerne, stimmts?“, antwortete Leo. „Ja, ich liebe Spaghetti!“, bestätigte Melwin erfreut.

„Und Leo, glaubst du, wird deine Mama heute wieder Mensch-ärgere-dich-nicht mit uns spielen? Das war letztes Mal so lustig!“, fragte Melwin seinen Freund. „Bestimmt!“, antwortete dieser. Voller Vorfreude auf das leckere Essen und den lustigen Spielenachmittag marschierten die beiden weiter.

„Mama! Wir sind da!“, rief Leo, als die beiden das Vorzimmer betraten. „Hallo Frau Lauch!“, rief nun auch Melwin, während er sich die Schuhe auszog. „Mama? Mama! Wir haben Hunger! Sind die Spaghetti schon fertig?“ Doch Leo bekam keine Antwort. „Mama? Wo bist du?“ Er lief in die Küche, doch diese war leer.

Leo und Melwin schauten im Wohnzimmer, im Bad und im Arbeitszimmer nach, doch Frau Lauch war nirgendwo zu finden. Schließlich rannten die beiden die Treppe hoch und Leo rief erneut: „Mama, wo bist du?“ Endlich hörte er die vertraute Stimme aus dem Schlafzimmer seiner Eltern: „Im Bett!“

Leo öffnete vorsichtig die Tür, Melwin stand direkt hinter ihm. Zuerst konnten sie Frau Lauch gar nicht sehen, da es im Schlafzimmer stockfinster war. „Mama, was ist mir dir?“, fragte Leo, doch er ahnte bereits, was los war. „Psst! Leise bitte! Ich habe Migräne!“, antwortete Frau Lauch mit gedämpfter Stimme. „Okay“, sagte Leo und schloss die Tür.

„Komm, Melwin! Wir müssen gehen“, bat Leo seinen Freund, der ihn verwundert anschaute. „Was hat denn deine Mama?“, fragte Melwin besorgt. „Migräne“, antwortete Leo, während die beiden hinunter in die Küche gingen. „Was heißt das?“, fragte Melwin weiter. „Das heißt, dass wir uns jetzt selbst etwas zu essen suchen müssen“, stellte Leo genervt fest und öffnete den Kühlschrank.

Melwin ließ nicht locker: „Ist deine Mutter krank? So sag mir doch bitte, was los ist!“ „Also gut“, antwortete Leo. Die beiden setzten sich zum Tisch und Leo erklärte: „Meine Mama hat Migräne. Das heißt, dass sie immer wieder einmal extreme Kopfschmerzen hat. So extreme Kopfschmerzen, dass sie meistens sogar brechen muss.“

„Oh, wie furchtbar!“ Melwin konnte es kaum glauben. Sein Freund erklärte weiter: „Wenn sie so eine Migräne-Attacke hat, dann hält sie weder laute Geräusche noch Licht aus und kann gar nichts mehr tun.“ „Ach, deswegen war es in ihrem Zimmer so finster“, verstand Melwin nun. „Ja“, bestätigte Leo. „Und deswegen müssen wir auch ganz leise sein.“

„Wann geht es ihr wieder besser?“, erkundigte sich Melwin nun. „Meistens dauert es den ganzen Tag“, berichtete Leo. „Ohje“, seufzte Melwin. Dann sagte er: „Das heißt dann wohl, dass sie nicht mit uns spielen wird? Schade!“ „Ja, schade“, bestätigte Leo. „Aber weißt du, was das Gute daran ist? Dass wir jetzt beim Essen fernsehen können!“

Eine Geschichte von Karin Lehner
Illustration: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

Alle Inhalte, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, einschließlich der Vervielfältigung, Veröffentlichung, Bearbeitung und Übersetzung, bleiben vorbehalten.