Melwin Melone und die Impfung

Es war ein stürmischer und kalter Montag im März. Melwin Melone durfte den Nachmittag bei seinem Freund Klemens Kohl verbringen. Sie wollten gemeinsam backen, doch es fehlte das Mehl. Daher waren sie einkaufen gefahren. „Ich muss noch schnell einen Brief aufgeben“, sagte Frau Kohl und hielt vor der Post an. „Wartet kurz im Auto, ich bin gleich wieder da. Ich lasse das Radio laufen.“ Kaum war Frau Kohl ausgestiegen, ertönte die Erkennungsmelodie der Nachrichten. Melwin und Klemens hörten aufmerksam zu. Als Frau Kohl kurze Zeit später zurückkam, fragte sie: „Und? Gibt es interessante Neuigkeiten?“

Klemens antwortete: „Keine Ahnung. Es ging nur um Impfungen, sonst nichts.“ „Aha“, sagte Frau Kohl. Melwin rutschte auf dem Rücksitz hin und her. Schließlich erkundigte er sich zögerlich: „Frau Kohl, darf ich Sie etwas fragen?“ „Sicher!“, antwortete sie. „Was genau ist eigentlich eine Impfung?“ Frau Kohl antwortete: „Nun ja, bei einer Impfung bekommst du ein Mittel, das dich vor einer ansteckenden Krankheit schützen soll.“

„Mit einer Spritze?“, wollte Melwin nun wissen. „Ja, meistens mit einer Spritze in den Oberarm.“ „Und wie soll das helfen?“, fragte Melwin weiter. „Das funktioniert so“, erklärte Frau Kohl. „Bei einer Impfung bekommt man kleine Schnipsel von den Krankheitserregern gespritzt.“ „Was ist bitte ein Krankheitserreger?“, unterbrach Klemens seine Mutter.

„Ein Krankheitserreger ist etwas, das dich krank machen kann“, erklärte Frau Kohl. „So wie das Coronavirus?“, mischte sich Melwin nun ein. „Ja, genau. Das Coronavirus ist ein Krankheitserreger. Es gibt aber auch noch viele andere.“ „Was? Sind in einer Impfung etwa Krankmacher drinnen?“ Klemens wollte es nicht glauben. Frau Kohl beruhigte ihn: „Bei einer Impfung bekommst du meist nur kleine Schnipsel von den Krankheitserregern, die dich nicht krank machen können. Sie sollen deinen Körper trainieren, damit er lernt, wie er sich gegen die richtigen Krankmacher wehren kann.“

„Und wie geht das?“, fragten Melwin und Klemens gleichzeitig. Frau Kohl überlegte kurz: „Hmm, wie soll ich euch das am besten erklären?“ Nach einer kurzen Pause sagte sie: „Stellt euch vor, euer Körper besteht aus vielen, vielen kleinen Teilchen. Jedes dieser kleinen Teilchen hat eine Aufgabe. Manche von ihnen müssen etwas tragen, andere etwas zerkleinern und wieder andere etwas zusammenbauen. Für jedes Teilchen gibt es viel zu tun.“ Melwin und Klemens hörten aufmerksam zu.

Frau Kohl erzählte weiter: „Um aufzupassen, dass du nicht krank wirst, gibt es die weißen Teilchen. Diese sind sehr schlau, denn sie wissen ganz genau, welche Teilchen zu deinem Körper gehören und welche nicht. Sie sind Tag und Nacht unterwegs und schauen, ob alles in Ordnung ist. Wenn diese weißen Teilchen etwas entdecken, das sie nicht kennen, wie zum Beispiel die Schnipsel aus der Impfung, schlagen sie sofort Alarm.“

Melwin Melone fragte erstaunt: „Was heißt, sie schlagen Alarm?“ Frau Kohl lächelte und sagte: „Sie holen sich Verstärkung und versuchen, die fremden Schnipsel zu fangen. Sobald sie welche erwischt haben, schauen sie sich die Schnipsel ganz genau an. Die weißen Teilchen überlegen gemeinsam, was sie machen können, falls noch mehr von diesen Schnipseln kommen. Und so beginnen einige von ihnen damit, kleine Waffen zu bauen, mit denen sie gegen die Schnipsel kämpfen können.“

„Ui, das klingt ja total anstrengend!“, rief Klemens plötzlich dazwischen. „Da hast du Recht, das ist es auch!“, bestätigte seine Mutter. „Und weil das ganz schön anstrengend ist, kann es sein, dass du nach einer Impfung Fieber bekommst oder dich müde und krank fühlst.”

Frau Kohl blickte kurz in den Rückspiegel und sagte dann: „Aber jetzt kommt das Gute daran! Die weißen Teilchen merken sich ganz genau, wie die Schnipsel aus der Impfung aussehen. Sie schreiben sich auch auf, welche Waffen am besten geeignet sind und wie man diese am schnellsten bauen kann. Falls sie also wieder einmal die gleichen Schnipsel im Körper entdecken sollten, dann wissen sie sofort, was zu tun ist. Und weil die weißen Teilchen dann viel schneller reagieren können, wirst du auch nicht krank.“

„Wow! Das ist ja toll!“ Melwin Melone war ganz aufgeregt. Nur Klemens schaute etwas verunsichert. „Aber was ist, wenn die weißen Teilchen wieder alles vergessen?“ Frau Kohl antwortete: „Damit das nicht passiert, gibt es Auffrischungsimpfungen. Das heißt, dass du dich nach einer gewissen Zeit erneut impfen lassen solltest.“ Frau Kohl lächelte die beiden an und fragte: „Alles klar?“ Melwin und Klemens nickten. „Dann lasst uns endlich nach Hause fahren!“

Eine Geschichte von Karin Lehner
Illustration: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

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