Melwin Melone – Geschichte zum Kennenlernen


Melwin Melone und die Nachhaltigkeit

An einem Donnerstagnachmittag im Herbst war Melwin Melone bei seiner Freundin Holly Holunder zu Gast. Die beiden wollten gemeinsam etwas für den „Jeder-bringt-etwas-Selbstgemachtes-mit-Tag“ vorbereiten, der am nächsten Tag in der Schule stattfand. Melwin und Holly hatten beschlossen, Apfelmus zu kochen und Hollys Mutter half ihnen dabei.

Alle drei waren eifrig dabei die Äpfel zu schälen, als Melwins Blick auf ein Buch fiel, das auf dem Tisch lag. „Cornelia Diesenreiter“, las er. „Nachhaltig gibt’s nicht!“[1] Verwirrt wandte sich Melwin an Frau Holunder und fragte: „Was bedeutet nachhaltig?“ Bevor diese etwas sagen konnte, platzte ihre Tochter heraus: „Na, was schon! Das Gegenteil von vorhaltig!“ „So ein Quatsch!“, entgegnete Melwin. „Das Wort vorhaltig gibt’s doch gar nicht!“ „Dann hat das Buch wohl den falschen Titel. Vorhaltig gibt’s nicht, müsste es heißen!“, antwortete Holly keck.

Frau Holunder hatte vergnügt zugehört und musste lachen. „Melwin hat recht“, sagte sie zu ihrer Tochter. „Das Wort vorhaltig gibt es wirklich nicht.“ Melwin wurde ungeduldig. „Was heißt nachhaltig?“ „Was steht denn in diesem Buch?“, wollte Holly wissen. Ihre Mutter antwortete: „Es ist ein Buch zum Thema Nachhaltigkeit. Es soll motivieren und aufzeigen, wie viel Freude ein nachhaltiges Leben bringen kann. Gleichzeitig geht es darum, wie schwierig und kompliziert es ist, ein solches Leben zu führen.“

„Jetzt weiß ich aber noch immer nicht, was nachhaltig bedeutet!“, reagierte Melwin genervt. „Das ist auch nicht so einfach zu erklären“, meinte Frau Holunder. Sie sagte: „Nachhaltig ist etwas dann, wenn es so entsteht, dass niemandem, der an der Entstehung beteiligt ist, dauerhafter Schaden zugefügt wird.“

Holly und Melwin sahen sich verwirrt an. „Also ich habe gar nichts verstanden“, meinte Holly kopfschüttelnd. „Ich auch nicht“, bekräftigte Melwin. „Also gut“, sagte Frau Holunder. „Dann versuche ich, es euch anhand eines Beispiels zu erklären. Was machen wir heute?“ „Apfelmus“, antworteten Holly und Melwin gleichzeitig. „Fast“, sagte Frau Holunder lächelnd. „Wir versuchen, nachhaltiges Apfelmus zu machen!“

„Und wie geht das?“, wollten die beiden nun wissen. „Damit unser Apfelmus wirklich nachhaltig ist, müssen wir dafür sorgen, dass bei der Herstellung niemandem Leid zugefügt wird. Also. Was ist die wichtigste Zutat?“ „Äpfel“, antwortete Melwin. „Genau. Das heißt, zuallererst müssen wir darauf achten, dass niemand dauerhaft zu Schaden kommt, bis wir unsere Äpfel hier schälen können.“

„Was meinst du damit?“, fragte Holly. Frau Holunder erklärte: „Die Äpfel müssen so wachsen können, gepflückt und zu uns transportiert werden, dass dabei weder dem Baum, dem Boden, dem Wasser, der Luft noch den Pflückern geschadet wird und der Transport umweltfreundlich ist – sprich, es allen dabei gut geht!“

„Das passt wunderbar“, freute sich Holly. „Denn die Äpfel sind aus unserem Garten, ich habe sie freiwillig gepflückt, in deinem Einkaufskorb hereingetragen und mir geht es wunderbar!“ „Ja, das ist richtig“, bestätigte Frau Holunder. „Das Gleiche gilt aber auch für die Zitronen, den Zucker, den Zimt.“ „Oh“, entfuhr es Melwin.

„Und es geht noch weiter“, erklärte Hollys Mutter. „Damit unser Apfelmus voll und ganz nachhaltig ist, müssen wir auch darauf achten, wo und wie die Hilfsmittel hergestellt wurden. Der Sparschäler, die Messer, der Topf, der Kochlöffel und so weiter. Wir dürfen keinen Tropfen Wasser verschwenden und müssen möglichst energiesparend kochen. Das machen wir auf dem Kochfeld und dazu brauchen wir Strom. Das heißt, wir müssen auch darauf achten, wie der Strom, den wir verbrauchen, produziert wird. Dann ist da noch das große Glas, in das wir das Apfelmus füllen, der Transport in die Schule, und, und, und.“

„Ohje“, seufzte Melwin Melone. „Jetzt verstehe ich, weshalb das Buch heißt, ‘Nachhaltig gibt’s nicht’. Das ist ja furchtbar kompliziert!“ „Ja“, Frau Holunder nickte. „Alles zu berücksichtigen ist nahezu unmöglich, da es wirklich sehr, sehr viel zu bedenken gibt.“ Holly stand da und grübelte. Plötzlich rief sie: „Aber das ist doch auch gut! Dadurch gibt es ja auch viel, viel mehr Möglichkeiten etwas Nachhaltiges zu tun!“ „Da hast du recht“, freute sich Frau Holunder. „Also dann, lasst uns gleich damit anfangen!“


[1] Diesenreiter Cornelia, „Nachhaltig gibt’s nicht“. © 2021 by Molden Verlag in der Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG, Wien – Graz

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Eine Geschichte von Karin Lehner
Inspiration: Cornelia Diesenreiter
Illustration: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof
Lektorat: Mag. Eva Zahnt

Melwin Melone und die Nachhaltigkeit
© 2021 Karin Lehner, A-4362 Bad Kreuzen
www.melwinmelone.at