Melwin Melone & das Antibiotikum

An einem Dienstagmorgen im Frühling traf Melwin Melone Frau Kaninchen. Er grüßte freundlich und fragte nach, wie es ihr denn so ginge. Frau Kaninchen antwortete: „Hallo Melwin! Leider nicht so gut. Meine drei Kinder haben Mittelohrentzündung!“ „Oh, weh!“, rief Melwin besorgt. Eine Mittelohrentzündung ist eine üble Sache – erst recht bei Kaninchen!

„Haben die drei kleinen Kaninchen sehr schlimme Schmerzen?“, wollte Melwin wissen. „Ja, schon“, sagte Frau Kaninchen, „aber seit heute Morgen ist es Gott sei Dank etwas besser. Das Antibiotikum scheint endlich zu wirken!“ „Das Antibiotikum? Was ist denn das?“, fragte Melwin neugierig.

Frau Kaninchen erklärte es ihm gerne: „Ein Antibiotikum ist ein Mittel, das gegen Bakterien hilft.“ Melwin schaute verdutzt: „Bakterien? Was bitteschön sind denn Bakterien?“ Frau Kaninchen erklärte weiter: „Bakterien sind winzig kleine Lebewesen. Es gibt unzählig viele verschiedene Bakterienfamilien und manche von ihnen können krank machen. Ganz besonders, wenn sie sich irgendwo ansiedeln, wo sie eigentlich nichts verloren haben.“

„Haben solche Bakterien etwa auch die Ohren deiner Kinder krank gemacht?“, fragte Melwin. „Ja, so ist es“, antwortete Frau Kaninchen. „Das ist aber gemein von ihnen!“, rief Melwin. „Warum tun sie denn das? Wieso machen diese bösen Bakterien, dass deinen Kindern die Ohren so schrecklich weh tun?“

„Weißt du Melwin, es gibt einen kleinen Verbindungsgang zwischen dem Rachen und dem Ohr. In diesem kleinen Gang sind die Bakterien nach oben gewandert und haben sich im Mittelohr angesiedelt. Weil es ihnen dort so gut gefallen hat, sind sie immer mehr und mehr geworden. Der Körper will im Mittelohr aber keine Bakterien haben, daher wehrt er sich gegen sie. Er schickt Abwehrzellen, sozusagen kleine Kämpfer hin, um die Bakterien zu vertreiben.“

„Das ist ja interessant.“ Melwin war ganz erstaunt. „Aber warum tut das so schrecklich weh?“ Frau Kaninchen antwortete: „Du kannst dir doch sicher vorstellen, was passiert, wenn ganz viele dieser kleinen Kämpfer gleichzeitig ins Mittelohr marschieren, um dort mit den Bakterien zu raufen, oder Melwin?“ „Ui, ja! Da wird es sich ganz ordentlich abspielen!“

„Stimmt genau!“, bestätigte Frau Kaninchen. „Daher wird die Stelle rot und warm, sie schwillt an und tut weh. Und weil beim Kämpfen auch ganz schön herumgetrampelt wird und Zellen kaputt gehen, kann es sein, dass du nicht so gut hörst wie sonst.“ „Aber, wenn der Körper eh seine Abwehrkämpfer ins Ohr schickt, wozu braucht man dann ein Antibiotikum?“

Frau Kaninchen versuchte es zu erklären: „Manchmal ist der Körper einfach überfordert. Es kann sein, dass es zu viele Bakterien sind, oder dass er auch noch an anderen Stellen kämpfen muss. Es kann auch vorkommen, dass seine Kämpfer geschwächt oder zu müde sind. Dann braucht der Körper Hilfe, weil die Abwehrzellen es alleine nicht schaffen.“ „Sind denn im Antibiotikum auch kleine Kämpfer drinnen?“, fragte Melwin neugierig.

„Nein“, antwortete Frau Kaninchen. „Im Antibiotikum sind keine Kämpfer drin, sondern Substanzen, die die Bakterien schwächen oder abtöten.“ „Iiih!“, rief Melwin angewidert. „Ich kann mir vorstellen, dass das ganz schön ekelig ist.“ „Da hast du leider recht, Melwin. Ein Antibiotikum schmeckt meistens wirklich nicht besonders gut“, bestätigte Frau Kaninchen.

„Trotzdem ist es wichtig, es zu nehmen. Und zwar so lange, wie es der Arzt angeordnet hat.“ „Ja, klar!“, rief Melwin. „Nicht, dass die Bakterien plötzlich wieder stärker werden und es den Abwehrzellen zeigen!“ „Genau! Du bist sehr klug, Melwin!“ Frau Kaninchen lächelte. „Jetzt muss ich aber weiter! Auf Wiedersehen, Melwin!“ „Dann richte doch bitte deinen Kindern ganz liebe Grüße von mir aus und wünsche ihnen gute Besserung!“, bat Melwin zum Abschied. Frau Kaninchen winkte ihm zu: „Vielen Dank, Melwin, bis bald!“

Eine Geschichte von Karin Lehner
Illustration: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

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