Melwin Melone und die Demokratie

An einem Samstagmorgen wurde Melwin Melone von seinem Freund Rikkardo Rettich aufgeweckt. „Melwin, steh endlich auf! Das Frühstück ist schon längst fertig!“ Melwin rieb sich die Augen und musste einen Moment lang überlegen, wo er überhaupt war. Ach ja! Er hatte bei Rikkardo übernachtet. Mit Vorfreude auf einen schönen Tag folgte Melwin seinem Freund in die Küche.

„Rikkardo, kannst du bitte die Zeitung hereinholen?“, bat Frau Rettich ihren Sohn. „Sicher!“, antwortete Rikkardo und eilte zum Postkasten. Er legte die Zeitung auf den Küchentisch, wo Melwin bereits Platz genommen hatte. Während dieser seinen Kakao umrührte, versuchte er die Schlagzeile auf der ersten Seite zu lesen.

„Ist die Demokratie in Gefahr?“, stand da in großen, schwarzen Buchstaben. Da wurde Melwin neugierig und fragte: „Wer ist denn die Demokratie? Kennt ihr sie?” Rikkardos Mutter lächelte und sagte: „Die Demokratie ist keine Person, sondern unsere Regierungsform.“ Nun war auch Rikkardo aufmerksam geworden. „Was ist eine Regierungsform?“

„Eine Regierungsform ist die Art und Weise, wie ein Land geleitet wird. Unsere Regierungsform ist die Demokratie. Das heißt, dass das Volk bestimmt, was im Land passieren soll“, erklärte Frau Rettich. „Das Volk? Wer ist denn das Volk?“, wollte Melwin nun wissen. Rikkardos Mutter antwortete: „Das Volk, das sind die Menschen, die in einem Land leben.“

„Und die entscheiden ALLE, was passieren soll? Wie soll das denn bitte gehen? Es können doch nicht alle gleichzeitig bestimmen“, fragte Melwin Melone verdutzt. „Doch, es gibt schon Möglichkeiten, wie alle, oder zumindest fast alle, mitentscheiden können, was passieren soll. Eine solche Möglichkeit ist, dass man Abstimmungen macht oder Wahlen abhält.“

Melwin und Rikkardo fanden das Thema sehr interessant, daher erkundigten sie sich weiter. „Und wie geht das?“ Rikkardos Mutter versuchte es den beiden zu erklären: „Eine Abstimmung kennt ihr ja bereits.“ Sie überlegte kurz, dann sagte sie: „Ich gebe euch ein Beispiel: Ich frage euch jetzt, ob ich heute Mittag eine Pizza machen soll. Wer dafür ist, hebt die Hand.“

Sofort schossen die Hände von Melwin und Rikkardo in die Höhe und auch Frau Rettich zeigte auf. Lächelnd erklärte sie: „Wir sind also alle dafür, dass es heute Pizza geben soll. Das war jetzt eine Abstimmung und die Mehrheit gewinnt. Wir haben sogar einstimmig zugestimmt.“ „Alles klar!“, freute sich Rikkardo. „Es gibt also heute Pizza!“

Melwin kaute nachdenklich sein Butterbrot. Schließlich meinte er: „Aber man kann ja nicht bei allen Sachen immer alle fragen und abstimmen lassen! Das ist doch unmöglich!“ „Da hast du Recht“, antwortete Frau Rettich. „Daher gibt es in einer Demokratie Wahlen. Bei einer Wahl entscheidet man sich für eine Person oder eine Gruppe von Personen, die stellvertretend Entscheidungen treffen und abstimmen soll.“

„Und warum ist die Demokratie in Gefahr?“, wollte Rikkardo nun wissen. Seine Mutter warf einen Blick auf die Zeitung und sagte dann: „Ich habe zwar den Artikel noch nicht gelesen, aber eine Demokratie ist dann in Gefahr, wenn niemand mehr wählen geht, oder wenn man nicht mehr frei wählen darf, wenn man sich also nicht mehr frei entscheiden kann.

„Frau Rettich, wie funktionieren eigentlich Wahlen?“, fragte Melwin die Mutter seines Freundes. „Das erkläre ich euch später bei einem Spaziergang. Lasst uns erst fertig frühstücken und dann gehen wir nach draußen. Es ist so schönes Wetter heute!“ Melwin und Rikkardo waren einverstanden und tranken genüsslich ihren Kakao.

Eine Geschichte von Karin Lehner
Illustration: Dr. Andrea Benedetter-Herramhof

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